
Ostenland ist ein Ortsteil der Stadt Delbrück im Kreis Paderborn, Nordrhein-Westfalen. Mit rund 3.025 Einwohnern (Stand Dezember 2023) und einer Fläche von 21,8 km² gehört Ostenland zu den zehn Ortsteilen, die gemeinsam das Motto „10 Orte, eine Stadt“ tragen. Das Dorf liegt am östlichen Rand der Westfälischen Bucht, am Übergang zur Sennelandschaft, und verbindet ländlichen Charme mit einer lebendigen Dorfgemeinschaft.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung Ostenlands datiert auf den 2. Februar 1290, in der Güter namens „Thomehope“ im Delbrücker Gebiet beschrieben werden. Der Name „Ostenland“ – das Land im Osten – verweist auf die Lage östlich von Delbrück. Ab dem 9. November 1527 erscheint die Bezeichnung „Osterbauerschaft“ in den offiziellen Dokumenten.
Ostenland gehörte historisch zum Hochstift Paderborn (Fürstbistum Paderborn), das 1803 säkularisiert und an Preußen überging. 1820 wurde Ostenland eine eigenständige Gemeinde. Im Zuge der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 wurde die Gemeinde nach dem Sauerland/Paderborn-Gesetz in die Stadt Delbrück eingegliedert. Dabei musste Ostenland Gebietsteile mit rund 1.000 Einwohnern an Hövelhof abgeben.
Besondere Auszeichnung: Ostenland hat dreimal den Titel „Kreisgolddorf“ gewonnen und wurde 1989 zum „Landesgolddorf“ auf NRW-Ebene gekürt – ein Beleg für das außerordentliche Engagement der Dorfgemeinschaft.
Ortsteile und Flurnamen
Ostenland ist eine Flächengemeinde, die sich als Streusiedlung entwickelt hat. Mit der Kirche als Mittelpunkt bildeten sich zwei Ortsteile heraus:
Haupt
Der Kernort rund um die Kirche mit Schulzentrum, Sport- und Kulturzentrum, Kindergarten St. Joseph, Pfarrheim, Banken, Apotheke, Arzt- und Zahnarztpraxis, Einzelhandel und dem Feuerwehrgerätehaus.
Wittendorf
Der zweite Siedlungsschwerpunkt mit Tankstellen, dem Kindergarten, Tennisanlage mit 5 Plätzen und einem Freizeitgelände. Hier befindet sich auch das Gewerbegebiet Wittendorf.
Weitere historische Flurnamen in Ostenland sind Mühlensenne, Wiethaupt, Kanneword, Rengering und Lohude.
St. Joseph Kirche

Die kirchliche Geschichte Ostenlands reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück: Um 1480 entstand eine kleine St. Anna-Kapelle, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1650 wieder aufgebaut wurde. 1769 genehmigte Bischof Wilhelm Anton von der Asseburg sonntagliche Gottesdienste in Ostenland.
Die erste Kirche wurde 1856–1857 nach Plänen des Architekten Arnold Güldenpfennig für 6.000 Taler errichtet und am 23. Dezember 1857 dem heiligen Joseph geweiht. Am 20. April 1870 erhielt Ostenland mit Johann Wittmund den ersten eigenständigen Vikar.
Die heutige Kirche wurde 1920–1922 im Heimatschutzstil erbaut – mit romanischen Elementen an der Außenfassade und barocken Akzenten im Innenraum. Die Weihe erfolgte am 31. Mai 1922. 1901 wurden drei Glocken der Glockengießerei Humpert aus Brilon installiert. Am 1. Januar 1950 wurde die Gemeinde zur Pfarrei mit eigenem Pastor erhoben. Heute gehört St. Joseph zum Pastoralverbund Delbrück-Hövelhof im Erzbistum Paderborn.
Natur und Landschaft
Ostenland liegt an der Ems-Rhein-Wasserscheide: Der Grubebach fließt zur Ems, während der Haustenbach über die Lippe dem Rhein zuströmt. Zwei Flüsse prägen das Landschaftsbild besonders:
Der Haustenbach und der Krollbach, die beide in der Senne entspringen, bringen nicht nur gutes Trinkwasser nach Ostenland, sondern auch viel Sennesand. Über Jahrhunderte hinweg lag das Flussbett höher als die umgebende Landschaft, was immer wieder zu Überschwemmungen führte.
Naturschutzgebiet Erdgarten-Lauerwiesen
Das seit 2008 unter Schutz stehende Gebiet umfasst 121,77 Hektar im Niederungsbereich von Krollbach und Haustenbach. Es erstreckt sich über die Gemeinden Hövelhof und Delbrück und beherbergt ein außergewöhnlich artenreiches Ökosystem:
Flora
220 Farn- und Blütenpflanzenarten, davon 55 auf der Roten Liste. Sumpfdotterblumenwiesen und Wasserfeder kommen in großen Beständen vor. Extensiv bewirtschaftete Feucht- und Nasswiesen, Bruchwald und landschaftstypische Baumreihen prägen das Bild.
Fauna
Brutvögel wie Großer Brachvogel, Kiebitz, Bekassine, Pirol und Rohrweihe. In den Bächen leben Bachforellen, Groppen und Bachneunaugen. Die seltene Sumpfschrecke ist hier ebenfalls heimisch.
In der Mühlensenne befindet sich die Biologische Station Paderborner Land, die sich um Naturschutz, Landschaftspflege und Umweltbildung in der Region kümmert.
Wirtschaft und Infrastruktur
Ostenland wird bis heute durch die Landwirtschaft geprägt. In der Gemeinde sind 256 Gewerbe- und Handelsbetriebe gemeldet. Die größeren Unternehmen haben sich im Gewerbegebiet Wittendorf und im Technopark an der Hövelhofer Straße angesiedelt – mit rund 700 Ausbildungs- und Arbeitsplätzen.
Zwei Landesstraßen (L 822 und L 836) und zwei Kreisstraßen (K 6 und K 97) sorgen für gute Verkehrsanbindungen in alle Richtungen. Das Wirtschaftswegenetz und das Radwegenetz (u. a. Radweg D6) sind gut ausgebaut. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Hövelhof und Paderborn.
Die beiden Siedlungsbereiche Haupt und Wittendorf sind an das Erdgasnetz angeschlossen. In Ostenland befindet sich das Wasserwerk der Stadt Delbrück. Die medizinische Versorgung ist mit einem praktischen Arzt und einem Zahnarzt gesichert.
Vereinsleben und Kultur
24 Vereine mit zahlreichen Unterabteilungen prägen die Ostenländer Dorfgemeinschaft und sorgen für ein lebhaftes Miteinander. Zu den wichtigsten gehören:
- Heimatverein Ostenland (gegr. 1977) – Pflege von Brauchtum, Kultur und plattdeutscher Mundart
- Heimatmuseum (seit 1992) – über dem Feuerwehrgerätehaus, Alltagsgegenstände vergangener Zeiten
- Blaskapelle Cäcilia – traditionelle Blasmusik
- Laienspielgruppe Ostenland – Theateraufführungen, oft in Plattdeutsch
- SC Blau Weiß Ostenland – Reitsportverein mit Reithalle und Außenplatz
- Treckerfreunde Ostenland – regelmäßige Treckerausfahrten
- KFD (Katholische Frauengemeinschaft)
- Kameradschaft ehem. Soldaten
In der Gemeinde befindet sich eine Grundschule, ein Sport- und Kulturzentrum mit zwei Sporthallen sowie eine vorbildliche Reitanlage mit zwei Reithallen und Außenplatz. Zur katholischen Pfarrgemeinde St. Joseph gehören ein Kindergarten, Pfarrheim, Bücherei und der Friedhof. Jedes Jahr wird ein Veranstaltungskalender für die Gemeinde erstellt.

Lage
Ostenland liegt östlich von Delbrück am Übergang zur Sennelandschaft. Größere Karte anzeigen